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Daimler-Gewinneinbruch 2019: Meine damalige Entscheidung im Rückblick

Daimlers Gewinneinbruch 2019, meine damalige Halteentscheidung, der Verkauf 2021 und die wichtigste Lehre zum persönlichen Einstandskurs.

Kurzantwort: Daimlers Konzern-EBIT fiel 2019 von 11,1 auf 4,3 Milliarden Euro, das Konzernergebnis von 7,6 auf 2,7 Milliarden Euro. Die Dividende sank von 3,25 auf 0,90 Euro. Ich entschied mich damals fürs Halten, verkaufte die Position jedoch im Februar 2021. Der Rückblick zeigt, warum der Einstandskurs kein gutes Entscheidungskriterium ist.

Was war 2019 bei Daimler passiert?

Daimler meldete für 2019 einen Umsatzanstieg von 167,4 auf 172,7 Milliarden Euro. Gleichzeitig brachen Ergebnis und Profitabilität deutlich ein:

  • Konzern-EBIT: 4,3 Milliarden Euro nach 11,1 Milliarden Euro 2018,
  • Konzernergebnis: 2,7 Milliarden Euro nach 7,6 Milliarden Euro,
  • Ergebnis je Aktie: 2,22 Euro nach 6,78 Euro und
  • Dividende: 0,90 Euro nach 3,25 Euro.

Meine damalige Formulierung, es liege einfach „an den Kosten, nicht am Absatz“, war zu grob. Der Geschäftsbericht verwies auf erhebliche Sonderbelastungen; außerdem müssen bei einem Automobilkonzern unter anderem Produktmix, Rückstellungen, Forschung, Regulierung und Investitionen berücksichtigt werden.

Meine Entscheidung im Februar 2020

Ich bewertete die Zukunft besser als die damaligen Zahlen und setzte auf Sparprogramme sowie eine spätere Konjunkturerholung. Deshalb wollte ich die Aktien zunächst halten. Gleichzeitig schrieb ich bereits, dass ich mich bei einem aus meiner Sicht ausreichenden Kurs von der Position trennen könnte.

Problematisch war meine damalige Aussage: „Im Minus werde ich Daimler sicher nicht verkaufen.“ Der persönliche Einstandskurs entscheidet nicht darüber, wie attraktiv eine Aktie ab heute ist. Er ist für Steuern und Dokumentation relevant, kann aber zu einem psychologischen Anker werden.

Was später geschah

Im Februar 2021 verkaufte ich meine Daimler-Aktien. Die Gründe und die damalige Rendite habe ich im Beitrag Daimler fliegt aus meinem Depot dokumentiert. Damit endete die in diesem Artikel beschriebene Haltephase.

Auch das Unternehmen veränderte sich grundlegend. Die Aktionäre stimmten 2021 der Abspaltung des Lkw- und Busgeschäfts mit anschließendem Börsenlisting der Daimler Truck Holding AG zu. Zum 1. Februar 2022 wurde die Daimler AG in Mercedes-Benz Group AG umbenannt. Ein heutiger Vergleich muss deshalb die veränderte Konzernstruktur berücksichtigen.

Wie sich die Kennzahlen einordnen lassen

Ein Gewinneinbruch kann zyklisch und vorübergehend sein, aber auch auf strukturelle Probleme hinweisen. Bei einem Automobilhersteller gehören mindestens folgende Punkte in die Analyse:

  • Absatz, Preise und Produktmix,
  • operative Marge und freier Cashflow,
  • Verschuldung und Finanzdienstleistungsgeschäft,
  • Investitionen in Elektrifizierung und Software,
  • Rückstellungen, Rechts- und Regulierungsrisiken,
  • Konjunktur- und Lieferkettenabhängigkeit sowie
  • Kapitalverwendung durch Dividenden, Investitionen und Rückkäufe.

Die gekürzte Dividende war 2020 ein sichtbares Signal, aber nicht die gesamte Analyse. Eine Ausschüttung sollte aus tragfähigem Cashflow finanziert sein. Eine Kürzung kann Liquidität schützen; sie kann zugleich auf schwächere Ertragskraft hinweisen.

Ein besserer Entscheidungsprozess

  1. These aufschreiben: Warum besitzt du die Aktie und welche Annahmen müssen stimmen?
  2. Abweichungen prüfen: Ist der Gewinnrückgang vorübergehend oder strukturell?
  3. Bilanz und Cashflow betrachten: Gewinn allein reicht nicht.
  4. Bewertung neu berechnen: Ein gefallener Kurs kann günstig oder gerechtfertigt sein.
  5. Alternativen vergleichen: Würdest du die Position heute mit frischem Geld erneut kaufen?
  6. Einstandskurs ausblenden: Er darf die Zukunftsbewertung nicht dominieren.

Was ich aus der Entscheidung gelernt habe

Mein damaliges Halten war eine persönliche Entscheidung in einer Phase hoher Unsicherheit. Positiv war, dass ich nicht ausschließlich auf eine einzelne schlechte Jahreszahl reagierte. Schwach war die Begründung über den Einstandskurs. Der spätere Verkauf zeigt, dass Buy and Hold nicht bedeutet, jede Position unbegrenzt zu behalten.

Fazit

Die Daimler-Zahlen 2019 waren tatsächlich schwach und die Dividendenkürzung erheblich. Mein ursprünglicher Beitrag bleibt als Entscheidungsprotokoll wertvoll, braucht aber den späteren Kontext: Ich verkaufte 2021, und aus dem damaligen Daimler-Konzern entstanden eine eigenständige Daimler Truck Holding AG sowie die heutige Mercedes-Benz Group AG. Gute Entscheidungen orientieren sich an künftigen Cashflows und Risiken – nicht daran, ob der persönliche Kaufpreis schon wieder erreicht wurde.

Datenstand: Geschäftsjahr 2019 und Unternehmensereignisse bis 2022; redaktionelle Einordnung vom 4. August 2026. Quellen: Mercedes-Benz Group: Ergebnisse und Geschäftsbericht 2019; Mercedes-Benz Group: Abspaltung von Daimler Truck und Umfirmierung.
Über den Autor

Dominik

Hinter Cashflow-Tagebuch stehen praktische Erfahrungen mit Aktien, Immobilien, digitalen Produkten und der Entwicklung eigener Finanzwerkzeuge.

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