AT&T: Ein Dividendenaristokrat, der keiner mehr ist

Über viele Jahre war AT&T ein Unternehmen, das so ziemlich jeder einkommensorientierte Anleger in seinem Depot hatte.

Die T Aktie stand jahrzehntelang fĂŒr jĂ€hrlich steigende Dividendeneinnahmen und bildete in etlichen Depots einen wichtigen Grundstein fĂŒr die Einnahmen.

Damit ist nun Schluss.

Aus.

Vorbei.

Doch was können Anleger und potenzielle Anleger jetzt noch von AT&T und dem neuentstehenden Konzern Warner Discovery erwarten?

Spannende Fragen, zu denen ich hier meine Gedanken niederschreiben möchte.

Hintergrund

AT&T wollte weg vom reinen Telekommunikationskonzern, hin zu einem ganzheitlichen Medienkonzern, der nicht nur die Infrastruktur anbietet (Internet, Telefon, FernsehanschlĂŒsse, etc.), sondern auch die Inhalte.

Gerademal drei Jahre ist es her, dass AT&T WarnerMedia (ehemals TimeWarner) akquirierte. Ein Milliardendeal, der von Beginn an unter keinem guten Stern stand. So zog sich die Übernahme durch eine Klage im Vorfeld schon ziemlich lange, wurde aber letztlich genehmigt.

Diese Übernahme kostete AT&T 85 Milliarden Dollar plus Schulden, insgesamt lag das Transaktionsvolumen bei ca. 109 Milliarden Dollar.

AT&T wurde durch die Übernahmen von WarnerMedia sowie einige Jahre zuvor DirecTv (Transaktionsvolumen inkl. Schulden 66 Milliarden Dollar) zum meist verschuldeten Unternehmen der Welt und geriet dadurch immer wieder unter Druck.

Nun also zieht der Vorstand die Reißleine und trennt sich von WarnerMedia.

Wie geht es weiter

WarnerMedia wird abgespalten und fusioniert mit Discovery zu einem neuen Unterhaltungsgiganten.

Es wird das neue Unternehmen Warner Discovery entstehen.

Die AT&T AktionÀre erhalten 71% am neuen Unternehmen, die Discovery AktionÀre die restlichen 29% der Anteile.

FĂŒr die AktionĂ€re sowie die beteiligten Unternehmen soll der ganze Deal steuerfrei ablaufen. Hierzu wird AT&T zunĂ€chst Discovery ĂŒbernehmen und gleichzeitig alle Assets von WarnerMedia sowie Discovery in einem neuen Unternehmen als SpinOff bĂŒndeln.


Zahlen & Fakten

Vergleich mit Netflix

Der neue Mediengigant wird es mit den fĂŒhrenden der Branche aufnehmen. Dazu zĂ€hlen hauptsĂ€chlich Netflix und Disney+.

Das neue Unternehmen soll eine Marktkapitalisierung von etwa 150 Milliarden Dollar anvisieren. Zum Vergleich, Netflix liegt aktuell bei einer Kapitalisierung von ca. 230 Milliarden Dollar.

Die Content-Bibliothek des neuen Unternehmens ist eine wahre Bank. So finden sich hier ca. 200.000 Stunden Film- und Serienmaterial. Bei Netflix sind es dagegen „nur“ 30.000 Stunden.

Finanzen

AT&T geht diesen Weg der Abspaltung natĂŒrlich auch, um Schulden abbauen zu können.

Und genau das wird mit der Transaktion auch passieren. So wird AT&T vom neuen Unternehmen 43 Milliarden Dollar Cash zur Tilgung von Schulden erhalten. Im Gegenzug wird WarnerMedia diese Summe an Schulden auf sich nehmen. Es wird also eine Schuldenverlagerung stattfinden.

Laut Unternehmensinformationen hÀtte Warner Discovery vergangenes Jahr einen Umsatz von 39 Milliarden Dollar und ein bereinigtes EBITDA von 12 Milliarden Dollar erzielt.

Bis 2023 sollen diese Zahlen auf 52 Milliarden Dollar bzw. 14 Milliarden Dollar anwachsen.

Das sind starke Zahlen – Netflix hat 2020 mit 25 Milliarden Dollar deutlich weniger Umsatz erzielen können.

Wie reagiert der Markt?

Der Markt hat die AT&T zunÀchst mal krÀftig einkrachen lassen. So ist der Kurs nach Veröffentlichung der Neuigkeiten innerhalb einer Woche um knapp 10% gesunken.

HierfĂŒr war denke ich vor allem die anstehende Dividendensenkung schuld. Bei einem Dividendenaristokrat wie AT&T, der jahrelang fĂŒr StabilitĂ€t und ZuverlĂ€ssigkeit stand, fĂŒhlt sich der Schritt, die Dividende um voraussichtlich 30-50% zu senken, fĂŒr den einen oder anderen wie ein Schlag in die Magengrube an.

Seither dĂŒmpelt die Aktie bei ca. 24 Euro. Ich erwarte selbst auch keine nennenswerten KursverĂ€nderungen bis es Neuigkeiten oder Änderungen im Ablauf o.Ă€. gibt.

Wie sollte ich als AktionÀr agieren?

ZunÀchst einmal solltest du dir klarmachen, weshalb du in AT&T investiert hast.

Wer die Aktie aufgrund der Dividendeneinnahmen gekauft hat, denkt evtl. ĂŒber einen Verkauf nach. Es könnte sich aber auch anbieten, die Aktien zu halten und die neuen Warner Discovery Aktien zu verkaufen und wieder in AT&T zu investieren.

Falls du, wie ich, immer auch an das Wachstum von WarnerMedia geglaubt hast und davon profitieren wolltest, bietet es sich an, nichts zu machen und die neuen Aktien mit Freude entgegen zu nehmen.

Du solltest noch eine dritte Möglichkeit auf dem Schirm haben. NĂ€mlich dass der Deal gar nicht zustande kommt. Bereits 2018 hatte die US-Justiz, wie eingangs erwĂ€hnt, erhebliche Bedenken. Dies könnte natĂŒrlich auch jetzt wieder passieren.

Was werde ich machen? Ich werde erstmal nichts unternehmen. Auch wenn ich einkommensorientiert investiere und mir die Dividende sehr wichtig ist, bin ich sowohl von AT&T als auch von WarnerMedia ĂŒberzeugt und werde meine Anteile behalten. DarĂŒber hinaus werde ich darĂŒber nachdenken, ob ich evtl. Warner Discovery Aktien zukaufen werde – doch das ist Zukunftsmusik.


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