Deutsche Börse Aktienanalyse: Mehr Handel = mehr Verdienst?

Die Deutsche Börse steht für die meisten Menschen als Synonym für die DAX-Familie, sowie den Handelsplatz für in Deutschland gelistete Aktien.

Viele Aktieninteressierte wissen häufig nicht, dass die Deutsche Börse auch eine Aktiengesellschaft ist.

Somit können Anleger auch Anteile der Deutschen Börse AG erwerben und das eigene Portfolio erweitern.

Das Unternehmen Deutsche Börse ist tatsächlich ein sehr Spannendes und hält sicherlich auch für dich in dieser Aktienanalyse noch so manche Überraschung parat.

Darunter zum Beispiel der Fakt, dass die Deutsche Börse eines der ältesten Unternehmen ist.

Dazu gesellt sich noch die Tatsache, dass sie mit der Tochter XETRA den größten Handelsplatz nach Volumen in Deutschland für Aktien stellt und früher den Parketthandel, wie man ihn noch aus Filmen kennt, angeboten hat.

Wir finden, das sind schon sehr spannende Aspekte, die die Deutsche Börse hier anzubieten hat. Daher freuen wir uns, diese Aktienanalyse erstellt zu haben und dir heute ein eher unbekannteres DAX-Mitglied vorstellen zu dürfen.

Apropos DAX – der kommt auch von der Deutschen Börse.

Allgemeine Daten zum Unternehmen 

Hier einige Key-Facts zum Unternehmen:

Datum Analyse06.08.2020
HauptsitzFrankfurt am Main
WKN581005
Marktkapitalisierung29.500 Mio. EUR
Kurs154 EUR
Dividende2,90 EUR
Dividendenrendite1,88%
BrancheFinanzdienstleister

Kurs Chart

Zu Beginn der Coronakrise hat der Aktienkurs massiv an Wert verloren. Dieser Verlust wurde aber auch ebenso schnell wieder ausgeglichen und im Großen und Ganzen kennt der Kurs nur eine Richtung, nämlich nach oben.


Quelle: Ariva.de

Aktionärsstruktur

Bei der Deutschen Börse gibt es einige Fonds Anbieter, die größere Positionen im Bereich von ca. 1-5% am Unternehmen halten.

Dies ist nichts außergewöhnlich, hierbei handelt es sich jedoch um Fonds, die hierzulande eher unbekannt sein dürften.

Artisan Partners LP5,00%
Jupiter Asset Management Ltd.3,00%
Government Pension Fund – Global (The)2,41%
Artisan International Fund1,79%
Vanguard Total International Stock Index Fund1,65%
American Funds EuroPacific Growth Fund1,44%
Fidelity Funds SICAV – Global Dividend Fund1,04%
American Funds Capital World Growth & Income Fund0,98%

Überblick / Unternehmensgeschichte

Die Deutsche Börse AG blickt auf eine sehr lange Historie zurück.

Wenn wir die ersten Zusammenschlüsse von Kaufleuten die eine einheitliche Geldwechselmöglichkeit in Frankfurt zu Grunde legen, lässt sich die Entstehung der Urform der Deutschen Börse auf das Jahr 1585 datieren.

Genauer gesagt, lässt sich die Frankfurter Wertpapierbörse auf dieses Datum festlegen, welche 1992 in die Deutsche Börse überging.

Natürlich ist in der langen Geschichte dieses Unternehmens noch weit mehr geschehen. Wir wollen in dieser Aktienanalyse aber nur auf die unserer Meinung nach entscheidenden und großen Meilensteine der jüngeren Geschichte eingehen.

Einer dieser wirklich großen Meilensteine ist ganz klar, die Einführung des Deutschen Aktien Index (DAX) im Jahr 1988.

DAX Familie

Beim DAX handelt es sich um den Benchmark-Index für deutsche Standardwerte, deren Indexkriterien durch die Deutsche Börse festgelegt wurden.

Bis heute ist die Deutsche Börse auch die Herausgeberin des DAX, bzw. der DAX-Familie. Hierzu aber später mehr.

Im Jahre 2002 erfüllte dann die Deutsche Börse selbst alle festgelegten Kriterien um eine Listung im DAX zu erhalten.

Wir alle kennen aus Filmen den typischen Parketthandel einer Börse. Sei es nun bei Filmen, die in New York oder einer anderen Börse spielen.

Vorwiegend Männer in Anzügen mit Zetteln in der Hand die wild gestikulierend und nahezu schreiend in einem Raum sind, verstehen auch heute noch viele als typische Börse.

Kaum vorstellbar, dass der Parketthandel in Frankfurt schon 2011 eingestellt wurde. Der Handel wurde vom Parkett auf die elektronische Handelsplattform XETRA übertragen.

Dies war ein kleiner Überblick über das Unternehmen. Jetzt geht es mit dem Herzstück der Analyse los, wir betrachten uns sehr ausführlich das Geschäftsmodell!

Geschäftsmodell

Die Geschäfte von der Deutschen Börse lassen sich in 3 Geschäftsfelder einteilen.

Das sind Folgende:

  • Pre-Trading
  • Clearing & Trading 
  • Post-Trading

Wir gehen in den folgenden (Unter-) Kapiteln näher auf diese drei Geschäftsfelder ein.

Diese 3 Geschäftsfelder decken so ziemlich die gesamte Wertschöpfungskette im Finanzgeschäft ab.

Pre-Trading

Unter Pre-Trading versteht man, alle Abwicklungen und Vorgänge die im Vorfeld an den Börsenhandel geschehen. Darunter fallen zum Beispiel Berechnungen von Indizes sowie Lösungen für das Risikomanagement und das Verwalten von Portfolios.

Weiterhin fallen unter das Pre-Trading auch das entgeltliche Bereitstellen von Marktdaten. Dazu zählen auch Live-Time Kurse, wie bspw. die des größten deutschen Handelsplatzes XETRA.

Pre-Trading

Clearing & Trading

In diesem zweiten großen Geschäftsfeld der Deutschen Börse lässt sich anhand der Übersetzung von Clearing & Trading bereits verstehen, um welche Themen sich dieses Geschäftsfeld dreht.

Kurz gesagt, unter den Bereich Clearing fallen die Verrechnungen von Aktien und unter Trading der Handel von Aktien (bspw. über die Börse XETRA).

Bei der Deutschen Börse werden aber auch andere Anlageinstrumente gehandelt, wie bspw. Zertifikate, Optionsscheine, Währungen, Rohstoffe, etc.

Der Handel von Wertpapieren kostet den Kunden für jede Order Gebühren (Handelsplatzentgelt/Abwicklungsentgelt/Dergleichen). Diese Gebühren stellen für die Deutsche Börse eine Einnahmequelle dar.

Die andere, nicht zu vernachlässigende Einkommensquelle der Deutschen Börse ist eher unscheinbar und vielen Aktieninteressenten gar nicht immer so bewusst.

Es handelt sich hierbei um den Spread zwischen Geldkurs und Briefkurs eines Titels, den sich der Handelsplatz, bspw. Tradegate sichert.

Somit verdient der Anbieter des Handelsplatzes auch hier bei jedem Trade mit.

Post-Trading

Das dritte Geschäftsfeld ist der sogenannte Nachhandel.

Sobald Wertpapiere gehandelt wurden, müssen diese auch an einer sicheren Stelle verwahrt werden.

In früheren Tagen hat der Anleger die Wertpapiere wie Aktien in Papierform erhalten und diese selbst sicher verwahrt.

Seit der Parketthandel und die physischen Wertpapiere nicht mehr in diesem Stil vorhanden sind, musste eine neue Lösung gefunden werden.

Diese Lösung bietet die Deutsche Börse im Namen ihrer 100%-igen Tochter Clearstream an. Clearstream verwahrt die Wertpapiere und deren dazugehörige Infos, wie Name und Adresse des Eigentümers.

Neben diesem sehr wichtigen und unabkömmlichen Dienst, fällt in das Geschäftsfeld des Post-Trading noch das Sicherheiten- und Liquiditätsmanagement.

Marktauftritte

Die Deutsche Börse ist in verschiedenen Börsen im Wertpapierhandel aktiv.

Einige davon wurden in dieser Aktienanalyse bereits angesprochen oder kurz erwähnt.

Wir wollen diesen aber an dieser Stelle noch ein wenig mehr Beachtung schenken.

Börse Frankfurt

Die Frankfurter Börse ist der börsliche Handelsplatz für Privatanleger der Frankfurter Wertpapierbörse, die wiederum zur Deutschen Börse gehört.

Neben dieser Börse gibt es noch ein paar andere in Deutschland. Da die Frankfurter Börse aber zur Deutschen Börse gehört, darf sie an dieser Stelle natürlich nicht fehlen.

XETRA

Die Frankfurter Wertpapierbörse betreibt mit XETRA den bedeutendsten Börsenplatz Deutschland. Dabei stellt XETRA eine Abkürzung dar.

XETRA steht für exchange electronic trade, was soviel bedeutet wie elektronischer Börsenhandel. XETRA ist für den professionellen Handel entwickelt und konzipiert worden.

Da die Börse Frankfurt und XETRA zur Frankfurter Wertpapierbörse gehören und (lt. eigener Angabe) einen Marktanteil von ca. 90% haben, gehören sie zu den größten Börsen weltweit.

Tradegate

Mit 75% (plus 1 Anteil) gehört die Tradegate Exchange Wertpapierbörse zur Deutschen Börse und sitzt in Berlin.

Sie ist darauf spezialisiert, Aufträge von Privatanlegern auszuführen.

Tradegate war das erste deutsche elektronische und außerbörsliche Handelssystem für Wertpapiere mit direkter automatischer Ausführung der Privatanleger.

Alleinstellungsmerkmale (Burggraben)

Die Deutsche Börse mit allen Ihren Handelsplätzen und allgemein Systemen hat dadurch auch mehrere Burggräben, sprich Alleinstellungsmerkmale, die sie auszeichnet.

Einer dieser Burggraben ist das Verwahrgeschäft für Wertpapiere in Form ihres Tochterunternehmens Clearstream. Das Unternehmen Clearstream ist seit Jahrzehnten der deutsche Zentralverwahrer (Central Securities Depository, kurz CSD) für Wertpapiere.

Dieser CSD ist, auf das Volumen bezogen, der größte Zentralverwahrer in der ganzen Eurozone. Außerdem betreibt die Firma noch einen der beiden internationalen Zentralverwahrer (International Central Securities Depository, kurz ICSD) in Europa.

Das allein sind zwei Geschäftszweige der Deutschen Börse, die neben der Wichtigkeit für den gesamten Handel, natürlich auch ein einträgliches Geschäft ermöglichen.

Weiteres Alleinstellungsmerkmal der Deutschen Börse ist der Handelsplatz XETRA:

Im Vergleich zu den etablierten Handelsplattformen hat XETRA ein deutlich höheres Handelsvolumen, was sich natürlich auch die verfügbaren Titel bei XETRA auswirkt.

Da in XETRA viele Käufer und Verkäufer aufeinandertreffen, sind die verfügbaren Titel für Käufer meist auch in einer höheren bis weit höheren Stückzahl als bei anderen Börsen verfügbar.

Neben den bereits angesprochenen Burggräben gibt es einen, der allein schon als einziges Alleinstellungsmerkmal gelten kann – die DAX-Indexfamilie.

Der DAX gilt als Referenz für den deutschen Aktienmarkt und hat eine entsprechende Reputation, die internationale Anerkennung findet.

Neben dem DAX gibt die Deutsche Börse auch die anderen Indizes, wie den MDAX, SDAX sowie den Tec-DAX und noch diverse weitere hinaus.

Berichtssegmente

Innerhalb der Deutschen Börse wird das Geschäft in insgesamt neun Segmente eingeteilt.

Darunter fallen die Eurex (Finanzderivate), EEX (Commodities), 360T (Devisenhandel), Xetra (Wertpapierhandel), Clearstream (Nachhandel), IFS (Investment Fund Services), GSF (Sicherheitenmanagement), Qontigo (Index- und Analytikgeschäft) und Data (Datengeschäft).

Allein an dieser Tiefe der neun Segmente sehen wir, dass die zuvor genannten drei Hauptgeschäftsfelder doch noch einmal weiter untergliedert werden.

Dies macht das Unternehmen Deutsche Börse sehr spannend. Wir sprechen hier zwar im Groben von Finanzdienstleistungen, bzw. Finanzinfrastruktur.

Innerhalb dieser Segmente bewegt sich die Deutsche Börse aber in Bereichen, die sehr vielfältig und breit aufgestellt sind. Hieraus ergeben sich natürlich Chancen und Möglichkeiten, siehe auch die Burggräben, die das Unternehmen auch in Krisenzeiten breit aufgestellt sein lässt.

Anhand dieser Fülle an Dienstleistungen, die die Deutsche Börse anbietet, ist sie einer der weltweit größten Anbieter in diesem Umfeld und bietet entsprechend auch den eigenen Kunden einen Mehrwert.

Wenn wir uns vor Augen halten, dass die Deutsche Börse ein voll umfängliches Produkt- und Dienstleistungsspektrum in ihrem Markt abdeckt und anbietet, lässt sich auch erklären, warum die Deutsche Börse selbst im DAX steht.

Neben den Finanzmarkttransaktionen und der Bereitstellung von Marktinformationen, Indizes (DAX-Familie), dem Pre-Trading im Gesamten und den aufbauenden Dienstleistungen (Trading und Clearing), dem Settlement (Abwicklung) bis hin zur Verwahrung (Custody) der Wertpapiere und allgemein dem Post-Trading, ist das eine riesige Fülle an Segmenten.

Dazu kommt natürlich noch die IT, die durch die Deutsche Börse betrieben und entwickelt wird um alle Prozesse zu unterstützen.

Diversifikation

Geographische Diversifikation

Die Deutsche Börse hat zwar ihren Sitz in Deutschland, ist aber auf dem internationalen Markt tätig.

Daher sind auch die Regionen in denen die Gewinne der Deutschen Börse erwirtschaftet werden, weltweit verteilt und beziehen sich nicht nur auf einen deutschen Markt.

Dt. Börse Gewinne Diversifikation
Quelle: Geschäftsbericht Dt. Börse 2019

Eine andere spannende Erkenntnis ist, wo genau die Gewinne der Deutschen Börse herkommen. Also mit welchen Angeboten der Gewinn erwirtschaftet wird.

Assets
Quelle: Geschäftsbericht Dt. Börse 2019

Betrachten wir auch die folgende Grafik:

Dt. Boerse
Quelle: Geschäftsbericht Dt. Börse 2019

Hier lässt sich leicht erkennen, dass die Deutsche Börse einen sehr hohen Anteil an wiederkehrenden Einkünften hat.

Nehmen wir zu Grunde, dass 48% des Umsatzes aus wiederkehrenden Zahlungen generiert wird, könnte man annehmen, dass es sich hier z.B. um Nutzungsgebühren handeln könnte.

Das wiederum könnte ein Anzeichen sein, sollten die 52% des Umsatzes die aus Transaktionen generiert werden wegfallen, bleibt der Umsatz immer noch bei ca. 50% durch die wiederkehrenden Einkünfte.

Viele andere Unternehmen haben diese „Sicherheit“ nicht.

Übernahmen / Beteiligungen

Die Produkte und Dienstleistungen der Deutschen Börse sind unter anderem durch Eigenentwicklung vorangetrieben worden, aber auch durch die Übernahmen und Beteiligungen an Marktbegleitern, die in das Portfolio der Deutschen Börse passen.

Ein paar dieser Beteiligungen und Übernahmen wollen wir uns hier etwas genauer anschauen:

Clearstream AG

Natürlich müssen wir diese Übernahme hier nennen.

Seit 2002 ist die Deutsche Börse der Eigentümer der Clearstream AG und hat damit einen weiteren wichtigen Schritt für das eigene Angebot getan.

Clearstream ist eine Verwahrgesellschaft für Wertpapiere und somit unabdingbar für den elektronischen Wertpapierhandel.

Axioma / Qontigo

Mit dem Investor General Atlantic hat die Deutsche Börse das Unternehmen Axioma übernommen und in das Indexgeschäft eingebracht.

Axioma ist einer der führenden Anbieter im Analytikgeschäft und passt somit zu den bisherigen Segmenten in denen sich die Deutsche Börse bewegt.

Da es eine Übernahme mit General Atlantic war, tritt die Firmierung unter dem Namen Qontigo auf.

Interessant zu wissen ist, dass die Deutsche Börse aber 78% der Anteile daranhält.

Fondcenter AG

Die Deutsche Börse hat auch angekündigt, dass sie das Fondsdistributionsgeschäft der Schweizer Großbank UBS namens Fondscenter AG übernehmen wollen.

Dadurch erweitert die Deutsche Börse auch ihr Geschäft im Bereich des Clearstream Fund Desk und kann deutlich die Synergien mit bereits bestehenden Clearstream Kunden nutzen.

Bewertung 

Finanzen

Aktuelle Zahlen

Angaben in EURQ2 2020Q2 2019Veränderung
Umsatz777,5 Mio.724,8 Mio.+ 7%
Free Cashflow (H1,20/H1,19)419,1 Mio.624 Mio.– 32,84%
Gewinn288,1 Mio.288,4 Mio.+ 0%
EPS1,571,58+ 0%

Umsatz

Der Umsatz kann seit etlichen Jahren jährlich gesteigert werden.

Dt. Boerse Umsatz 2013-2019

Free Cashflow

Beim Free Cashflow sah es in den vergangenen Jahren teilweise nicht besonders rosig aus.

Dies liegt daran, dass der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit und der Cashflow aus Investitionstätigkeit dafür zusammengerechnet werden und der zweitgenannte meist negativ ist – logisch, wenn man investiert und Geld ausgibt.

Dt. Börse Free Cashflow 2013-2019

Gewinn

Die Gewinne schwanken recht stark, meist zwischen 500 Mio. und 1.000 Mio. Euro.

Dennoch wirtschaftet die Deutsche Börse profitabel und kann, wenn wir uns im Gegenzug die Umsätze anschauen, tolle Gewinnmargen aufweisen.

Dt. Börse Gewinn 2013-2019

Ausblick

Die Deutsche Börse erwartet für das aktuelle Geschäftsjahr 2020 einen Anstieg der Nettoerlöse von 5%.

Der Gewinn soll auf rund 1.200 Mio. Euro steigen, was unter anderem darauf zurückzuführen sein wird, dass das Handelsvolumen in den vergangenen Monaten stark angestiegen ist.

Als Beispiel sei das Segment XETRA (Wertpapierhandel) genannt, welches im ersten Halbjahr 2020 das bereinigte EBITDA um 25% gegenüber dem Vorjahreshalbjahr steigern konnte.

Dividendenpolitik

Da die Deutsche Börse vergleichsweise noch nicht lange am Markt ist, können wir hier Titel wie Dividendenkönig oder Dividendenaristokrat so noch nicht verwenden.

Seit 2001 zahlt die Deutsche Börse aber eine Dividende an ihre Anteilseigner aus.

Dt. Börse Dividende 2013-2019

KGV

Das KGV befand sich in den vergangenen Jahre in der meisten Zeit zwischen 17 und 23. Seit 2018 steigt es allerdings und ist nun auf einem recht konstanten Level von ca. 25.

Die Aktie ist KGV-technisch eher ambitioniert bewertet.

Dt. Börse KGV 2013-2019

Cashflow-Tagebuch Aktien Score

Die Deutsche Börse weist ein richtig tolles Scoring beim Gewinn(-wachstum) auf, bei der Dividende werden einige Punkte liegen gelassen und auch die Eigenkapitalquote ist eher dürftig.

Deutsche Börse Cashflow-Tagebuch Aktien Score

Risiken

Betrachten wir einen Punkt, den wir bei keinem Unternehmen unterschätzen sollten.

Jedes Unternehmen am Markt hat auch Risiken, die sich auf den weiteren Verlauf auswirken können. Bei der Deutschen Börse haben wir vier große Risikobereiche, auf die wir nun einen intensiveren Blick werfen wollen.

Risiko #1: Regulatorisch/Politisch

In diesem ersten Risikopunkt wollen wir uns auf die Regularien sowie politischen Entscheidungen konzentrieren.

Das Risiko hierbei ist, dass es zu Gesetzen kommen kann, die eines der Segmente der Deutschen Börse obsolet machen könnte oder stark einschränkt.

Nehmen wir an, die Bundesregierung legt fest, dass alle Wertpapiere in einer Abteilung der Bundesnotenbank abgelegt werden müssen. Somit wäre der Clearstreambereich der Deutschen Börse massiv betroffen und fällt weg.

Daneben kann es auch zu gesetzlichen Einschränkungen kommen. Die Deutsche Börse ist ein internationales Unternehmen und agiert entsprechend mit seinen Produkten und Dienstleistungen auf einem internationalen Markt.

Sollte nun z.B. der Handel mit Wertpapieren nur noch innerhalb des Landes gestattet werden, in dem das Wertpapier aufgelegt wurde, stellt das für den Marktplatz XETRA ein Risiko dar. (Einen ähnlichen Fall stellen die Schweizer Wertpapiere aktuell dar)

Diese beiden Beispiele sollen auch genau als solche betrachtet werden. Damit wollen wir nur verdeutlichen, dass es regulatorischen/politische Risiken für die Finanzmärkte gibt.

Auch wenn etwas heute problemlos so ausgeführt werden kann, muss dies in der Zukunft durch Gesetzesänderungen nicht weiter erlaubt sein.

Risiko #2: Strukturelle Änderungen an den Finanzmärkten

Auf der anderen Seite können sich natürlich auch die Finanzmärkte ändern. Neben politischen Entscheidungen gibt es auch mögliche strukturelle Änderungen an den Finanzmärkten.

Die beiden ersten Risiken können auch einen gemeinsamen Ursprung haben. Wir müssen uns nur immer vor Augen führen, dass sich auch die Märkte an sich in einem ständigen Änderungsprozess befinden.

Als Beispiel in diesem Fall soll uns das Fondsgeschäft dienen. Aktiv gemanagte Fonds und deren Manager waren einst die gefeierten Helden der Finanzplätze.

Nach der Finanzkrise 2008/2009 hat sich das ein wenig gewandelt und der Beruf des Fondsmanagers wurde mit anderen Augen gesehen. Auch wenn der Ruf des Berufs Fondsmanager wieder etwas mehr Ansehen in den letzten Jahren gewonnen hat; durch die einfache Verfügbarkeit von ETFs (Exchange Traded Funds), also passiv gemanagte Fonds, sind viele Fondsmanager obsolet geworden.

Ein Computer steuert die Fonds entsprechend des gewählten Index und baut diesen in festen Zeitabschnitt getreu nach.

Wir können nicht sagen, welche Finanzprodukte in der Zukunft für Aufsehen sorgen werden, aber die strukturellen Änderungen an den Finanzmärkten werden stattfinden. Das scheint doch recht sicher.

Wohin diese gehen werden, das werden wir alle sicherlich erfahren.

Risiko #3: Innovationskraft nicht verlieren

Eine große strukturelle Änderung an den Finanzmärkten haben wir erlebt und diese wirkt sich auch direkt auf die Innovationskraft innerhalb der Finanzwelt, und darüber hinaus, aus.

Mit der Blockchain ist zwar schon seit vielen Jahren ein Instrument bekannt, aber erst durch die Verbreitung von Kryptowährungen und den dahinterstehenden Blockchains, sind diese Techniken eher in den Fokus gerutscht.

Mit Hilfe der Blockchain lassen sich Transaktionen unwiderlegbar bestätigen und sind somit nahezu garantiert fälschungssicher. Das kann für viele Finanzprodukte ein riesiger Fortschritt in Sachen Sicherheit darstellen.

Hier sind aber andere Unternehmen die treibenden Kräfte hinter der Entwicklung.

Bei solchen Innovationen können die Finanzakteure den Anschluss gegenüber marktfremden Akteuren bilden, die sich dadurch ein Alleinstellungsmerkmal aufbauen können.

Entwickelt oder nutzt man eine vorhandene Blockchaintechnologie für die Absicherung von Anlageprodukten, ergeben sich ganz neue Möglichkeiten für den Anbieter dessen.

Bei solchen Entwicklungen sollten, unserer Meinung nach, die Finanzmarktakteure, wie die Deutsche Börse, ihre Innovationskraft nicht verlieren.

Risiko #4: Technische Risiken, Ausfall der Handelsplattformen

Das vierte Risiko stellt ein Risiko dar, dass nicht nur die Finanzmarktakteure haben. Das technische Risiko eines immer digitalisierten Handels, ist von kaum abschätzbarer Höhe.

Gehen wir als Beispiel einmal von einem Totalausfall einer Handelsplattform aus. Händler können keinen Handel mehr betreiben und somit Käufer und Verkäufer nicht mehr aktiv die Systeme nutzen.

Da die Deutsche Börse einen der größten Handelsplätze der Welt betreibet, wäre ein Totalausfall der Technik für eine sehr sehr kurze Zeit womöglich verkraftbar. Ein Ausfall über Stunden, Tage oder gar Wochen geht nicht nur mit einem Verlust an den Märkten einher.

Auch der Vertrauensverlust des Marktes, der dadurch entsteht, ist kaum wieder aufzufangen.

Wer möchte denn Handel auf einer Plattform betreiben, die bei einem Ausfall womöglich die gesetzte Order nicht ausführt, aber das Kapital einzieht? Natürlich will das niemand.

Auch dieses Beispiel zeigt natürlich ein Extrem, was so (hoffentlich) nie eintritt. Es besteht aber bei jeglicher technischen und digitalen Infrastruktur die Möglichkeit hierzu.

Vergleich mit Unternehmen aus demselben Segment

Innerhalb von Deutschland gibt es kein anderes Unternehmen, welches ein vergleichbares Portfolio an Produkten und Dienstleistungen anbietet.

Allein die Tatsache, dass die Deutsche Börse solch eine Marktposition besitzt, macht sie einmalig im hiesigen Markt.

Nichtdestotrotz gibt es Marktbegleiter die in Segmenten der Deutschen Börse als Konkurrent angesehen werden können. Dazu zählen die Anbieter von einzelnen Handelsplätzen.

Allein durch Eurex und Clearstream hat die Deutsche Börse aber einen so großen Burggraben, der es schwer macht diesen zu überwinden.

Zukunftsprognose

Zielsetzung des Unternehmens

Die deutsche Börse Gruppe verfolgt ihre selbst gesetzte Wachstumsstrategie „Roadmap 2020“. 

Diese Strategie geht dem Ziel nach, ihre führende Position unter den Börsenorganisationen zu behaupten und weiter auszubauen.

Sie verfolgt ihr strategisches Ziel, strukturelles, organisches Wachstum zu erreichen und forciert zudem auch anorganisches Wachstum durch Zukäufe, wie wir im Kapitel Übernahmen / Beteiligungen gesehen haben.

Für das Unternehmen bildet zudem der Bereich IT ein wichtiges Element, welches weiterhin gestärkt und ausgebaut werden soll. Dies ist auch wichtig, um wettbewerbsfähig zu bleiben und technische Sicherheitsstandards auf höchstem Niveau erfüllen zu können.

Die Deutsche Börse überprüft ihre Wachstumsbemühungen regelmäßig, um die angestrebten Ziele möglichst zu erreichen. Die erfolgreiche Umsetzung dieser Initiativen haben für das Unternehmen höchste Bedeutung.

Auch bei wichtigen Zukunftsthemen wie der Blockchain hat die Deutsche Börse bei Clearstream bzw. im Verwahrgeschäft diese Entwicklung im Blick, um sie selbst voranzutreiben und davon zu profitieren.

Fazit

Für uns stellt die Deutsche Börse AG ein sehr spannendes und auch vielfältiges Unternehmen dar. Dies mag zwar auf den allerersten Blick gar nicht so erscheinen, blickt man aber etwas hinter die Kulissen, erkennt man, was alles dahintersteckt.

Handel am Smartphone

So hat die Deutsche Börse mit all ihren Segmenten und Geschäftsfeldern deutlich mehr zu bieten, als „nur“ den gängigen Wertpapierhandel über die bekannten Börsen XETRA und Tradegate.

Beschäftigt man sich noch weiter mit der Deutschen Börse, lernt man auch die echten Burggräben in diversen Geschäftsfeldern kennen, die unserer Meinung nach auch die Deutsche Börse auszeichnet.

Allein wenn wir uns nur die Verwahrung der Wertpapiere durch Clearstream anschauen, sollte jedem klar werden, dass ein Wertpapierhandel ohne diesen Dienst so in Deutschland nicht vorstellbar ist.

Daher ist die Deutsche Börse für uns ein Unternehmen mit toller Zukunft und einer sehr solide aufgestellten Geschäftsbasis.

Auch wenn das Unternehmen aktuell sein Allzeithoch hat und durch die Coronavirus-Pandemie auch das Handelsvolumen gestiegen ist, müssen wir uns auch den Kurs der Aktie vor Augen halten.

Diesen finden wir zurzeit etwas zu hoch. Das ist natürlich eine Momentaufnahme und bezieht sich auf die Kurse im Sommer 2020.

Je nachdem wann du diese Aktienanalyse liest, kann es hierzu natürlich Abweichungen geben.

Sinkt der Kurs noch etwas, kann man sich unserer Meinung nach, eine erste Position aufbauen und das eigene Depot damit etwas breiter gestalten.

Ich danke dir für das Lesen dieser Aktienanalyse und hoffe, sie hat dir geholfen. Teile auch gerne dein Wissen und deine Meinung zur Analyse in unserer Facebookgruppe. Sobald genügend Interesse besteht, werden wir auch eine exklusive Gruppe nur für Premium Mitglieder eröffnen.

Hier wollen wir uns austauschen und uns gegenseitig Tipps im Umgang mit Finanzprodukten geben.

Teile dein Wissen auch gerne mit deinen Freunden, genauso wie diese Aktienanalyse.

Kapitalistische Grüße,
Dominik & Andreas


Quellen & Links:
Investor Relations Dt. Börse: https://www.deutsche-boerse.com/dbg-de/investor-relations
Geschäftsbericht 2019 Dt. Börse: https://www.deutsche-boerse.com/dbg-de/investor-relations/finanzberichte/geschaeftsberichte/unternehmensbericht-2019
Q2 Quartalszahlen 2020 Dt. Börse: https://www.deutsche-boerse.com/resource/blob/2076226/6e236b693e5872f1e14d49aea5ed201f/data/gdb-quartalsbericht-q2-2020_de.pdf
Finanzen.net: https://www.finanzen.net/aktien/deutsche_boerse-aktie
Ariva.de: Kurs Chart
Bilder: Pixabay.de


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